NPD-Demo verpufft

Veröffentlicht am 04.11.2015. In: taz, die Tageszeitung*

In Treptow-Köpenick wollten NPD-Anhänger vor einem Flüchtlingsheim im Johannisthal aufmarschieren. GegendemonstrantInnen blockierten den Weg.  Die Flüchtlinge dankten mit Blumen. Vor der Demo warb die NPD mit Aufklebern, die mit Messerklingen präpariert waren.

Rückschlag für den NPD-Landesverband Berlin-Brandenburg: Bei einer Demonstration am Montag in Treptow-Köpenik verpassten 150 Rassisten ihr Ziel, vor dem Flüchtlingswohnheim im Johannisthal aufzumarschieren. 600 NDP-GegnerInnen blockierten den Weg der Demonstranten, zwangen sie zum Rückzug. Es gab weder Ausschreitungen noch Verletze.

NPD-Aufkleber mit Rasierklingen präpariert

Zur Gegenkundgebung aufgerufen hatte die Initiative „Uffmucken“. Sie kritisierte, dass der NDP erlaubt wurde, direkt vor der Flüchtlingsunterkunft zu demonstrieren. „Für uns ist das ein Riesenskandal“, sagte Tina Böhm, Sprecherin von „Uffmucken“. Es sei „unverantwortlich, einen Nazi-Aufmarsch in den Abendstunden in der Nähe einer Unterkunft für Geflüchtete enden zu lassen“.

Das Hauptziel der Gegendemonstranten war daher, die NPD-Anhänger vom Wohnheim fernzuhalten – zu Not mit Sitzblockaden. Mehrere Organisationen folgten dem Aufruf zum Aufmucken, unter anderem das „Bündnis für Demokratie und Toleranz Treptow-Köpenick“, der „Runde Tisch Johannisthal“, mehrere „Antifa“-Gruppen, die Initiativen „Berlin gegen Nazis“ und „Johannisthal hilft“ sowie die SPD und die Linke.

Vor der Demo hatte die NPD nach eigenen Angaben tausende Werbeflyer in die Briefkästen des Bezirks verteilt. „Uffmucken“ berichtete, dass NPD-Aufkleber gefunden wurden, die auf der Rückseite mit Messerklingen präpariert waren.

Polizei mit Großaufgebot

Die NDP-Route zum Flüchtlingswohnheim an der Pilotenstraße führte vom S-Bahnhof Schöneweide über den Großen Berliner Damm. Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt. Sie trennte beide Protestgruppen bereits bei der Ankunft im Bahnhof; alleine an der Ecke Sterndamm/Südostallee standen 25 Einsatzwagen. Dort kam es eine Stunde nach Veranstaltungsbeginn zum ersten Sichtkontakt zwischen beiden Gruppen.

Früh hatten sich am Sterndamm hunderte Gegendemonstranten versammelt, um auf die NDP-Anhänger zu warten. 150 Rassisten kamen, geteilt in zwei Gruppen aus zwei Richtungen. Empfangen wurden die Braunen von einem bunten und lauten Protest aus Plakaten, Schildern, Sprechchören, Reggae-Beats, Trommeln und einem Dudelsack. Fast alle Gegendemonstranten folgten dem NPD-Tross zum Flüchtlingswohnheim.

NPD gibt auf

An der Nieberstraße, einen Block vom Wohnheim entfernt, trafen beide Gruppen ein zweites Mal in Sichtweite aufeinander. Dort aber konnte der NPD-Zug nicht an den Protestgegnern vorbeilaufen. 600 Menschen blockierten minutenlang friedlich, teils sitzend und singend, die Straße – und so den Weg zum Wohnheim.

Die NPD-Demonstranten zogen sich zurück, gaben auf – und wurden von der Polizei zurück zum Bahnhof begleitet. Die Protestgegner hatten ihre Ziele erreicht: Präsenz gezeigt und die Fremdenfeinde vom Wohnheim ferngehalten.

Feierabend vor dem Flüchtlingsheim

Die meisten Gegendemonstranten liefen nach der aufgelösten Demo nicht nach Hause, sondern weiter zur Flüchtlingsunterkunft. Sie klatschten und jubelten den BewohnerInnen zu, die von der positiven Stimmung angelockt zu Dutzenden aus ihren Zimmerfenstern schauten und zurückwinkten. „Dankeschön!“ rief ein Familienvater mit Tochter auf dem Arm den BesucherInnen entgegen.

Auf der Treppe vor der Eingangstür feierten sich Flüchtlinge und ihre UnterstützerInnen gegenseitig. Ein Heimbewohner eilte aus der Haustür und überreichte einen Blumenstrauß. Mit „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here“-Gesängen verabschiedeten mehrere hundert BerlinerInnen die Flüchtlinge in die Nacht.

*Die Version des Berichts in diesem Blog unterscheidet sich von der Version, die in der taz veröffentlicht wurde.

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